Nach einer langen Schaffenspause erschien in Deutschland am19. November 2010 das fünfte Studio-Album von Josh Groban– „Illuminations“, welches in Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Rick Rubin (Metallica, Red Hot Chilli Peppers) entstand. Eine ungewöhnliche und gleichermaßen faszinierende Kollaboration, die für beide Seiten sehr bereichernd war.

Durch die Vorabveröffentlichung von vier Liedern, konnte man sich – sofern man am PC ein halbwegs gutes Soundsystem hat – per Onlinestreaming schon ein Bild des Albums machen (dachte ich zumindest).  Mich überzeugten Hidden Away und Higher Window nicht auf Anhieb. Nette Songs, aber verglichen mit z.B. Un Dia Llegara, Canto Alla Vita oder Mi Morena, durchaus auch von anderen Künstlern überzeugend interpretierbar. Einzig Você Existe Em Mim und L’Ora Dell’Addio erzeugten endlich wieder ein richtiges „Joshfeeling“.

Dann kam aber der Tag, an dem ich das Album erstmals in Händen hielt und feierlich meiner Stereoanlage übergab. Ein völlig anderes Erlebnis! Schon alleine der Klang im Raum, wenn man sich rundherum von der Musik und Joshs Stimme umgeben fühlt, lässt einen ganz anderen Eindruck entstehen. Mein Bild, welches ich mir vorab gemacht hatte, fing an sich drastisch zu verändern und vor allem sich zu vervollständigen und zu wachsen. Mit jedem Lied entstanden neue Farben und Pinselstriche, neue Nuancen. Ein Song geht in den anderen über und ich wagte es nicht, vorzuspulen oder ein Lied zu überspringen, um das Bild nicht zu zerstören. Ich gestehe, das habe ich bei früheren Alben von Josh schon beim ersten Hören gemacht. Alles in allem lässt mich der Gesamteindruck dieses Werkes ziemlich sprachlos, aber mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht zurück. Obwohl ich anfangs sehr enttäuscht war, dass auf dem neuen Album so wenige fremdsprachige Lieder sind, ist das letztendlich völlig bedeutungslos geworden.

Nun, da Illuminations schon eine Weile auf dem Markt ist, merkt man deutlich, wie es die Fan- und Hörergemeinde spaltet. Viele sind begeistert, aber auch viele enttäuscht. Vielleicht lagen die Erwartungen einiger zu hoch, wer weiß. Man muss auch nicht alles gut finden, nur weil Josh Groban drauf steht. Es ist halt kein Foster/Groban Album, es ist ein Groban/Rubin Album (und hier setze ich Josh ganz bewusst an erste Stelle). Ich persönlich hab mich schon in die „neuen Töne“ verliebt. Hört man mit dem Herzen, und nicht nur mit den Ohren, wird man das Album sicher mögen. Es ist sehr persönlich, melancholisch und der Sound unterscheidet sich sehr von den vorherigen Produktionen. Josh unplugged – es kommt ein wunderbares Live-Feeling während des Hörens auf, welches sicher denjenigen nicht zusagen wird, die den polierten Studiosound der bisherigen Alben bevorzugen. Josh beschreitet neue Wege, bleibt sich selbst aber dennoch treu. Ich bin schon sehr gespannt auf die Tour und die Darbietung des neuen Materials auf der Konzertbühne.

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